3. Rahmenkredit für die Erstellung von Photovoltaikanlagen

Energiestrategie 2050

Die Energiestrategie 2050 des Bundes, welche am 21. Mai 2017 in einer schweizweiten Volksabstimmung angenommen wurde, beruht auf den drei Säulen Atomausstieg, Energieeffizienz und Ausbau erneuerbare Energien. Es ist ein Ziel, die Abhängigkeit der Schweiz von importierten fossilen Energien zu reduzieren und CO2 auf Nettonull zu bringen. Nach der Abschaltung der restlichen vier Atomreaktoren in der Schweiz wird eine Jahresproduktion von rund 20 Terawattstunden (TWh) wegfallen. Der Verzicht auf praktisch alle fossilen Energien führt zu einem zusätzlichen Strombedarf von rund 20 bis 25 TWh, insbesondere durch Elektromobilität und den Einsatz von Wärmepumpen. Unter Berücksichtigung von Effizienzgewinnen müssen somit in Zukunft rund 40 bis 45 TWh Strom aus erneuerbaren Energien produziert werden.

Die öffentliche Hand sollte eine Vorbildfunktion übernehmen und erneuerbare Energie-Produktionsanlagen bauen, betreiben und unterhalten.

Energiestrategie 2050

Ausgangslage in Sirnach

Das Bundesamt für Energie (BFE) berechnet für die Gemeinden auf der Grundlage der Solarpotentiale der einzelnen Hausdächer und Fassaden, wie gross die Potentiale für Solarstrom und Solarwärme für das gesamte Gemeindegebiet sind. Das Solarpotential aller Liegenschaften im Gemeindegebiet Sirnach ist enorm hoch (ca. 45 Gigawattstunden (GWh)/Jahr, ohne Solarpotential von Fassaden). Der gesamte elektrische Energieverbrauch 2021 im Gemeindegebiet Sirnach betrug 33.4 GWh. Theoretisch könnte somit mehr als der Gesamtverbrauch von Sirnach durch Photovoltaik (PV)-Strom vom Dach erzeugt werden.

Die Gemeinde Sirnach besitzt im Gemeindegebiet diverse Liegenschaften mit verschiedenen Nutzungsarten wie Verwaltung, Schulen und Wohnen. Bisher befinden sich im Eigentum der Gemeinde drei PV-Anlagen. Zwei befinden sich auf dem Gebäude an der Kettstrasse 28 in Sirnach (Werkhof, Feuerwehr), die eine mit einer Leistung von ca. 70 Kilowatt-Peak (kWp), die andere mit einer Leistung von 10.8 kWp. Per Ende Juni 2022 wurde die dritte Anlage beim alten Schulhaus Busswil (50 kWp) in Betrieb genommen.

Potential auf gemeindeeigenen Dächern

Seitens Gemeinde wurde bisher noch keine Grundlage für das Potential von PV-Anlagen auf gemeindeeigenen Dächern erarbeitet. Der EW Sirnach AG wurde der Auftrag erteilt, eine entsprechende Analyse zu erstellen. In einer ersten Tranche wurden 23 Liegenschaften, bzw. Stromzählerkreise bewertet. Verschiedene Liegenschaften wurden aufgrund ihres Alters und aufgrund des Zustandes und der Lebensdauer des Daches ausgeschlossen. In einer weiteren Phase wurde auf die Dachkonstruktion und die Einfachheit des Daches geachtet. Schlussendlich waren noch elf Objekte bzw. Zählerstromkreise übrig, welche als sinnvolle Objekte angesehen wurden.

Die elf Objekte würden zusammen eine Jahresproduktion von rund 450’000 Kilowattstunden (kWh) erzielen. Das entspricht einer theoretischen Abdeckung des Energieverbrauches der Gemeindeliegenschaften von ca. 72%.

Es handelt sich dabei um die folgenden Liegenschaften:
(ZEV: Zusammenschluss Eigenverbrauch)

Bibliothek im ZEV mit Schulhaus Breite

Jahresproduktion kWh: 52’000

Eigenverbrauchanteil in %: 55

Kosten netto CHF: 90’000

MFH Winterthurerstrasse 21 im ZEV mit allen Mietern

Jahresproduktion kWh: 30’000

Eigenverbrauchanteil in %: 60

Kosten netto CHF: 58’000

MZH Egg im ZEV mit Schulhaus Egg und 2 Mietern

Jahresproduktion kWh: 61’000

Eigenverbrauchanteil in %: 60

Kosten netto CHF: 111’000

Schulhaus Silberweide Grünau

Jahresproduktion kWh: 34’000

Eigenverbrauchanteil in %: 60

Kosten netto CHF: 60’000

Gemeindehaus Kirchplatz

Jahresproduktion kWh: 22’000

Eigenverbrauchanteil in %: 60

Kosten netto CHF: 76’000

Kindergarten Grünau

Jahresproduktion kWh: 40’000

Eigenverbrauchanteil in %: 40

Kosten netto CHF: 68’500

Turnhalle Grünau

Jahresproduktion kWh: 73’000

Eigenverbrauchanteil in %: 60

Kosten netto CHF: 97’000

Gmeindschürli Wiezikon

Jahresproduktion kWh: 13’000

Eigenverbrauchanteil in %: 20

Kosten netto CHF: 33’000

Kindergarten Lindenstrasse

Jahresproduktion kWh: 28’000

Eigenverbrauchanteil in %: 40

Kosten netto CHF: 59’000

Verwaltungsgebäude Schulanlage Grünau

Jahresproduktion kWh: 19’000

Eigenverbrauchanteil in %: 60

Kosten netto CHF: 36’000

MZH Busswil

Jahresproduktion kWh: 75’000

Eigenverbrauchanteil in %: 60

Kosten netto CHF: 115’000

Vorgehen / Kosten

Die elf geeigneten Objekte wurden nach Prioritäten selektioniert und in Prioritäten 1 bis 3 aufgeteilt. Die Investitionen könnten somit über die Jahre 2023 bis 2025 aufgeteilt werden.

Die Nettoinvestitionen belaufen sich nach Abzug der Fördergelder auf ca. CHF 800’000.00 (Teuerung nicht eingerechnet). Damit die Anlagen schrittweise realisiert werden können, wird ein Rahmenkredit beantragt. Bei der Realisierung ist vorgesehen, dass ein übergeordnetes einheitliches Monitoring für die Überwachung erstellt wird. Zudem sollte der Eigenverbrauchsanteil durch Anpassung des Nutzungsverhaltens (Verbraucher wie z.B. Waschmaschine während dem Tag) oder Steuerung (Ladung Boiler am Tag) erhöht werden.

Als weiteres Element ist der Energieeffizienz in den Gebäuden Beachtung zu schenken, z.B. Ersatz der Beleuchtung durch LED, Steuerung über Bewegungsmelder, Ersatz alter Geräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen, Heizungspumpen etc. Für diese Evaluation hat der Gemeinderat bei der EW Sirnach AG eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

Nach Vorliegen der Machbarkeitsstudie vergibt die Gemeinde, unter Einhaltung des öffentlichen Beschaffungswesens, die Arbeiten für den Bau der geplanten PV-Anlagen. Somit ist die Gemeinde Eigentümerin der neu erstellten Anlagen. Die EW Sirnach AG begleitet das Projekt. Sie stellt sicher, dass die Anlagen «einheitlich» erstellt werden, damit diese Anlagen über eine Plattform überwacht werden können.

Die Realisierung der Anlagen wird sich über mehrere Jahre erstrecken. Die Preisschwankungen während dieser Realisierungsphase sind aus heutiger Sicht nur grob abschätzbar. Dieser Punkt hat den Gemeinderat veranlasst, einen Rahmenkredit zuhanden der Gemeindeversammlung zu beantragen. Durch die Unsicherheit der Materialkosten soll anstelle der geschätzten CHF 800’000.00 ein Rahmenkredit von CHF 900’000.00 beantragt werden (CHF 800’000.00, plus CHF 100’000.00 Reserve).

Antrag

Die Abstimmungsfrage lautet:

Wollen Sie dem Rahmenkredit für die Erstellung von Photovoltaikanlagen auf den Gemeindeliegenschaften von CHF 900’000.00, inkl. Reserve, zustimmen?